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Schilf- und Uferschutzprojekt Bielersee (Schweiz)
Mit der
Absenkung des Seespiegels um 2 m Ende des 19. Jahr- hunderts änderten die Bedingungen für die 35 km Flachufer am Bielersee. Die morphologische Entwicklung der Ufer, deren Besiedlung durch
Röhrichte, der seit den sechziger Jahren festgestellte Rückgang der Schilfbestände, aber auch die Über bauung der neu gewonnenen Strandflächen mit Ferienhäusern sind prägende
Elemente der rund 120-jährigen Landschaftsgeschichte.
Im Auftrag des
Vereins Bielerseeschutz VBS wurde die Entwicklung der Schilfbestände mittels Luftbildvergleichen dokumentiert. Zwischen 1956 und 1980 musste ein Rückgang der aquatischen Röhrichte von
schätzungsweise 80% festgestellt werden.
Die Analyse der
Ursachen für diese Entwicklung zeigte verschiedene Faktoren wie die Verbauung von Ufern, die mechanische Belastung infolge der Eutrophierung des Wassers resp. des damit verbundenen
Aufkommens von Fadenalgen sowie die Belastung durch Schwemmholz oder Treibeis in Kombination mit Sturmwind. Ein weiterer Faktor, nämlich die Erosion der Flachwasserzone als Folge der
Seespiegelsenkung hat ebenfalls wesentlich zum Schilfrückgang beigetragen.
Der VBS startete
deshalb 1989 ein Projekt, in welchem verschiedene Typen von Schilf- und UferÂschutzbauten getestet werden konnten. Als Hauptmassnahme wurden auf rund 1 km UferÂlänge Lahnungen gebaut.
Diese Wellenbrecher aus Weidenfaschinen erzielen eine Beruhigung der mechanischen Belastung der Schilffront sowie eine Sedimentakkumulation.
Gestützt durch
die Erfolge und die hohe Akzeptanz der Schilfschutzmassnahmen wurden die Schwerpunkte des Projekts zunehmend auf allgemeinere Uferschutzkonzepte verlagert und die Aktivitäten auf die
Beratung der Gemeinden für Planung, Projektierung und Ausführung ausgeweitet.
Auf drei
Handlungsebenen wird heute die Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher Ufer und deren entsprechenden Habitate angegangen.
- Auf der Ebene der Raumplanung
ist es mit der Erarbeitung von Uferschutzplanungen gemäss See- und Flussufergesetz gelungen, die baulichen Nutzungsentwicklungen einzudämmen und gleichzeitig Renaturierungsvorhaben zu fördern.
- Im Bereich des Uferunterhalts
konnten einerseits mittels einem neuen Einsatzdispositiv der Wehrdienste die Folgeschäden bei Schwemmholzereignissen reduziert und andererseits einfache Unterhaltsmassnahmen wie Schilfpflanzungen, Sandspülungen oder Grünverbau erfolgreich eingeführt werden.
- Auf der Ebene des naturnahen Wasserbaus
werden verschiedene Bautypen eingesetzt und getestet. Kiesschüttungen erhöhen die Stabilität der Ufer, Buhnen- systeme beeinflussen die Uferlängsströmungen und den Sedimenttransport und vorgelagerte, uferparallele Elemente wie Lahnungen, Palisaden, Riffe oder Wellenbrecher entlasten die natürlichen Ufer.
Im Rahmen des
Forschungsprojekts EROSEE der ETH Lausanne und der Berner Fachhochschule unter der Leitung des VBS wurden diese Schutzkonzepte anhand von physikalischen Modellen, numerischer Simulation und
In-Situ-Messungen am Bielersee erfasst mit dem Ziel, einfache Bemessungsgrundlagen für die praktizierenden Wasserbauer zu erarbeiten.
Weiterführende Informationen: www.landschaftswerk.ch (Projekte und Publikationen) www.erosee.org
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