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Projekt-Proposal
Eugen Baumanns „Vegetation des Untersees (Bodensee)“ von 1911 – hundert Jahre danach (Arbeitstitel)
Nächstes Jahr (2011) gibt es für die ökologische Forschung am Bodensee ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern: der hundertste
Jahrestag der Veröffentlichung der „Vegetation des Untersees (Bodensee)“ von E. Baumann im ersten Supplementband des Archivs für Hydrobiologie. Die Dissertation von Eugen Baumann (1868–1933), die unter Anleitung des
seinerzeit weithin bekannten Botanikers Prof. Dr. C. Schröter an der ETH Zürich entstanden ist, gilt auch heute noch als Standardwerk für ökologische und vegetationskundliche Forschungsarbeiten am Bodensee.
Auf etwa 200 Exkursionen hat Baumann zwischen 1905 und 1909 in systematischer Weise das Untersee-Ufer erforscht und dabei rund
700 Makroalgen-, Moos- und Gefäßpflanzenarten gefunden, deren Fundorte in detaillierten Katalogen dokumentiert sind. Für die damalige Zeit durchaus ungewöhnlich, verstand es Baumann in bemerkenswerter Weise, die
Fundortangaben mit den Bemerkungen zu den Wuchsformen und den standörtlichen Bedingungen zu verknüpfen, so dass sich bei entsprechender Auswertung – unter Einbeziehung anderer Quellen – ein plastisches Bild der
damaligen Untersee-Uferzone und ihrer ökologischen Bedingungen ergibt.
Die Informationsfülle der Baumann’schen Arbeit war seit Ende der 1950er Jahre Ausgangspunkt für weitere floristische,
vegetationskundliche und limnologische Forschungsarbeiten, von denen viele bis in die Gegenwart reichen. Auch bei angewandten naturschutzfachlichen Fragestellungen, z. B. dem Schutz der Strandrasen-Vegetation, den
Veränderungen der Röhricht- und Streuwiesen-Vegetation durch Klimawandel und sinkende Wasserstände sowie dem Wandel der Wasserpflanzenvegetation im Zuge der Eutrophierungsphase in den 1970er und 80er Jahre bzw. der
danach erfolgten Reoligotrophierung.
Den nahenden hundertsten Jahrestag der Baumann’schen „Vegetation des Untersees“ nimmt die AGBU zum Anlass, mit einem
integrierten Forschungs-, Publikations- und Präsentationsprojekt auf den heutigen Zustand des Bodenseeufers im Vergleich zur Situation zu Anfang des 20. Jh. hinzuweisen. Komponenten und Ziele des Vorhabens sind:
- die Würdigung der Person und der Arbeit Baumanns;
- die systematische Aufarbeitung der Detailinformation in der „Vegetation des Untersee“ und die Verknüpfung mit weiteren
Quellen (v. a. Bildquellen der regionalen Archive) sowie die öffentlich zugängliche Bereitstellung des Baumann’schen Fundkatalogs in einer GIS-gekoppelten Datenbank;
- Auswertung jüngerer Untersuchungen zur Flora und Vegetation des Untersees sowie ergänzende Geländeerhebungen zur
Unterwasserpflanzenflora mit dem Ziel einer direkten Vergleichbarkeit mit dem Baumann’schen Fundkatolog;
- in Zusammenarbeit mit der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft Darstellung der Ergebnisse in einer
populärwissenschaftlichen, reich bebilderten Fachpublikation (Sonderband der „Mitt. Thurg. Naturf. Ges.“) im Umfang von ca. 100–150 Textseiten zzgl. Abbildungen;
- Konzeption und Erstellung von ca. 10 Ausstellungstafeln für eine Wanderausstellung, die den Museen, Gemeinden, Heimat-
und Naturschutzorganisationen rings um den See angeboten werden soll;
- Ausarbeitung von Powerpoint-Präsentationen als Grundlage für eine Vortragsreihe bei den regionalen Volkshochschulen und
anderen Bildungsträgern
- Ausarbeitung von Exkursionsprogrammen an botanisch oder ökologisch besonders interessante Lokalitäten;
- in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Amt für Raumplanung und den beteiligten Gemeinden Ausarbeitung eines Plans zur
(Wieder-)Ansiedlung ausgestorbener bzw. hochgradig gefährdeter Pflanzenarten (z. B. die Riednelke).
geplanter Themenband bei den Mitteilungen der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft
Band und Erscheinungsjahr: Band 66, Sommer/Herbst 2012
vorgesehener Inhalt (vorläufige Arbeitstitel; Autoren):
- Grußwort: G. Lang
- Eugen Baumann und seine „Vegetation des Untersees (Bodensee)“ (R.
Rutishauser, M. Peintinger)
- Der Funddaten-Katalog von E. Baumann – zeitgemäß als Datenbank (W. Ostendorp)
- Das Untersee-Ufer – damals und heute (W. Ostendorp & I. Strang)
- Entwicklung der Unterwasservegetation (M. Dienst & I. Strang)
- Entwicklung der Röhricht- und Sumpfpflanzenvegetation in der
Grenzzone (W. Ostendorp & M. Dienst)
- Entwicklung der Strandrasen-Vegetation (I. Strang, M. Peintinger & M. Dienst)
- Entwicklung der Riedwiesen-Vegetation und der Uferwälder (M. Peintinger)
- Wiederansiedlung der verschollenen Riednelke Armeria purpurea am Schweizer Unterseeufer
- Abschlusskapitel: Was haben wir aus dem Untersee-Ufer gemacht? (W. Ostendorp u. a.)
Dank: Das Projekt wird von folgenden Projektpartnern gefördert
- Amt für Raumplanung des Kt. Thurgau
- Amt für Umwelt d. Kt. Thurgau
- Naturmuseum Thurgau
- Oberdorfer-Stiftung
- Regierungspräsidium Freiburg
- Regionalverband Hochrhein-Bodensee
- Universität Konstanz
zusätzlich leistet die AGBU einen Eigenanteil
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