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Herzlich willkommen bei der
Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e. V.

 N e u f u n d von Najas marina subsp. marina
N e u e s  P r o j e k t zur  Strand-Schmiele

Die Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e. V. ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftler/innen und Ingenieuren aus unterschiedlichen Fach- disziplinen. Unser Ziel ist die Förderung der anwendungsorientierten Erforschung der Bodenseeufer, um zu einem tieferen Verständnis der Ökologie, zu einem besseren Schutz und zu einer nachhaltig umweltgerechten Nutzung des Ufers beizutragen.

Wir führen eigene Forschungsprojekte durch und beraten öffentliche und private Auftraggeber in Fragen der Uferökologie, des Uferschutzes und der Uferrenaturierung.

Wir sind Teil eines internationalen Informationsnetzwerkes, das Forscher- Innen an Universitäten, öffentlichen und privaten Forschungsinstitutionen mit Praktikern aus Beratungsbüros, Verbänden und Behörden verbindet.
 

AGBU
c/o Michael Dienst
Herosestr. 18
D-78467 Konstanz

+49(0)7531-4549504

info@bodensee-ufer.de

 

Projekt 2016-2019

Schutz der vom Aussterben bedrohten Strand-Schmiele (Deschampsia rhenana) am Bodensee

Gefährdungsanalyse, Erhaltungskultur, Bestandsstützung und Wiederansiedlung

 

Abb. 1. Pseudovivipare Rispe der Strand- Schmiele (Deschampsia rhenana)
16.07.2006, Konstanz Seehalde
(Foto: M. Dienst).

060716-Hörnle-06-kl

Ausgangssituation

Die Kiesufervegetation am Bodensee (Strandrasen) ist besonders schützenswert, weil hier mit Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) und Strand-Schmiele (Deschampsia rhenana) zwei Arten zu finden sind, die weltweit (fast) nur noch hier vorkommen. Aufgrund des kleinen Verbreitungsareals und des starken Nutzungsdrucks am Ufer gehören sie zu den am stärksten bedrohten Arten in Mitteleuropa. Daher sind sie auf allen Roten Listen der Bodensee-Anrainerstaaten als „vom Aussterben bedroht“ aufgeführt.

Während die Bestandsentwicklung beim Bodensee-Vergissmeinnicht im langfristigen Trend durchaus positiv verlief, ist dies bei der Strand-Schmiele nicht der Fall. Die Populationen der Strand-Schmiele sind klein und die Bestandszahlen häufig rückläufig. Am gesamten Bodenseeufer sind 2011/2012 nur noch Bestände mit einer Fläche von ca. 120 m² vorhanden (Abb. 2 u. 3).

Obwohl die Strand-Schmiele auf den ersten Blick eine eher unscheinbare Gras-Art ist, ist sie dennoch einzigartig. Die Pflanzen vom Bodensee unterscheiden sich von verwandten Arten durch eine auffällige Form der vegetativen Vermehrung, der sog. Pseudoviviparie oder Vergrünung (Abb. 1). Die Blüten bilden anstatt Samen kleine neue Graspflänzchen. Bereits Eugen Baumann hat 1911 in seiner Arbeit über die Vegetation des Untersees vermutet, dass diese Vermehrungsform als Anpassung an die amphibische Lebensweise der Strand-Schmiele (stark schwankende Wasserstände des Bodensees) zu deuten ist. Es bilden sich jedoch auch Samen, die eine normale sexuelle Vermehrung erlauben.

Bis vor kurzem wurden die Strand-Schmielen vom Bodensee als Deschampsia littoralis bezeichnet. Neuere genetische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass D. littoralis vom Lac de Joux der weit verbreiteten Rasen-Schmiele (D. cespitosa) verwandtschaftlich näher steht als den Pflanzen vom Bodensee. Daher werden die Pflanzen am Bodensee unter dem Namen Deschampsia rhenana wieder als eine eigenständige Art betrachtet (Hand & Butler 2014, Peintinger et al. 2012). Somit ist die Verbreitung dieser Art weltweit auf das Bodenseegebiet beschränkt.

Abb3-Bsee Strang 201202

Abb. 2. Rückgang der Strand-Schmiele (Deschampsia rhenana) am Untersee (Strang et al. 2012).

 

Das Projekt

Ziel des Projekts ist es, die Ursachen des Rückgangs der Strand-Schmiele genauer zu untersuchen und die Nachzucht und Wiederansiedlung zu erproben. Dazu dienen vier Teilprojekte:

 

1. Auswertung bestehender Daten

Die Strandrasen am Bodensee werden seit Jahrzenten beobachtet. Daten, die im Rahmen dieser Monitoring-Programme gewonnen wurden, werden speziell hinsichtlich der Populationsentwicklung von D. rhenana ausgewertet.

 

2. Untersuchungen zu Vermehrung und Ausbreitung

In zehn Populationen werden zwischen zwei und fünf Dauerflächen eingerichtet, um die Populationsentwicklung zu beobachten. Speziell Ausbreitung und Vermehrung sollen untersucht werden, da diese entscheidend für den Erhalt der Populationen sind.

 

3. Ausbau der Erhaltungskultur

Frühere genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass trotz vegetativer Vermehrung die genetische Vielfalt der Populationen recht groß ist. Dem muss auch bei den Erhaltungskulturen Rechnung getragen werden. Deshalb sollen weitere Pflanzen gesammelt werden, um mehr Genotypen zu erhalten.

 

4. Bestandsstützung über Pseudoviviparie

Bestandsstützungen sollen in fünf Populationen mit Hilfe der pseudoviviparen Blütenrispen erprobt werden.

 

5. Wiederansiedlungsversuch

Wiederansiedlungen werden an je einem Ort in Baden-Württemberg, Bayern, Thurgau und Vorarlberg durchgeführt und deren Erfolg untersucht.

 

Projektpartner

 

Projektdurchführung

  • Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU), Konstanz:
       Dr. Markus Peintinger, Michael Dienst, Irene Strang
  • Umweltbüro Markus Grabher (UMG), Bregenz (Mitglied bei AGBU)
  • Botanischer Garten der Universität Konstanz: Dr. Gregor Schmitz

Fachliche und finanzielle Unterstützung

  • Regierungspräsidium Freiburg, Ref. 56 Naturschutz und Landschaftspflege, Freiburg
  • Landesanstalt für Umweltschutz Bayern, Ref. 51 Fachgrundlagen Naturschutz, Augsburg
  • Amt für Raumentwicklung des Kantons Thurgau, Frauenfeld
  • Amt der Vorarlberger Landesregierung (Natur- und Umweltschutz), Bregenz
  • Fondation Petersberg pro planta et natura, Kilchberg (CH)
Abb2-UNtersee Dienst 200402

Abb. 3. Historische Verbreitung und Anzahl der Fundorte der Strand-Schmiele (Deschampsia rhenana) am Bodensee (Dienst et al. 2004).

 

Kontakt

Dr. Markus Peintinger

Güttinger Str. 8/1 | D-78315 Radolfzell

Tel. +49(0)7732 / 919527

markus.peintinger@bodensee-ufer.de

 

 

Literatur

  • Baumann, E. (1911): Die Vegetation des Untersees (Bodensee). – Archiv für 
      Hydrobiologie, Supplement 1: 1–554.
  • Dienst, M., Strang, I. & Peintinger, M. (2004): Entdeckung und Verlust
      botanischer Raritäten am Bodenseeufer – das Leiner-Herbar und die
      Strandrasen. – Ber. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland. Beiheft 1: 209–230.
  • Hand, R. & Buttler, K.-P. (2014): Beiträge zur Fortschreibung der Florenliste
      Deutschlands (Pteridophyta, Spermatophyta) – Siebte Folge. – Kochia 8: 71–89.
  • Peintinger, M., Arrigo, N., Brodbeck, S., Koller, A., Imsand, M. & Holderegger, R.
      (2012): Genetic differentiation of the endemic grass species Deschampsia
      littoralis at pre-Alpine lakes.
    – Alpine Botany 122: 87–93.
  • Peintinger, M., Strang, I., Miller, I. & Dienst, M. (2010): Monitoring in einem FFH-
      Lebensraum: Bestandsentwicklung von Strandrasenarten am Bodensee
      1987–2006. – Natur und Landschaft 85: 470–477.
  • Schmitz, G., Dienst, M., Peintinger, M. & Strang, I. (2006): Der Bodensee-
      Strandrasen: Ex-situ-Kultur verschiedener Arten im Botanischen Garten
      Konstanz. – Schriften Ver. Geschichte Bodensee 124: 221–230.
  • Strang ,I., Dienst, M. & Peintinger, M. (2012): Die Entwicklung der Strandrasen
      am Unterseeufer in den letzten 100 Jahren. – Mitteilungen der  Naturfor-
      schenden Gesellschaft Thurgau 66: 199–223.